In der Design-Welt verschiebt sich gerade das Machtgefüge. Was vor wenigen Jahren undenkbar war — ein ernsthafter Konkurrent für Adobe — ist 2026 Realität. Und mittendrin steht eine Frage, die uns als Markenarchitekten mehr interessiert als jeder Funktionsvergleich.
Was Figma gebaut hat
Figma hat einen KI-Agenten direkt in die kollaborative Design-Canvas eingebaut. Per natürlicher Sprache lassen sich Designs erzeugen, bestehende bearbeiten und wiederkehrende Aufgaben automatisieren — mehrere Agenten können gleichzeitig auf derselben Fläche arbeiten. Die KI-Funktionen reichen von Content-Generierung über Bildbearbeitung und smarte Suche bis zu UI-Entwürfen und Code-Übergabe; für die Bildgenerierung kommen Modelle wie Gemini 3.0 Pro und GPT Image 1 zum Einsatz. Der Erfolg lässt sich messen: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 46 Prozent.
Adobe wankt
Auf der anderen Seite steht Adobe mit ins Stocken geratenem Wachstum, wachsender Konkurrenz durch Figma und Canva und Zweifeln daran, ob die eigenen KI-Wetten den Schwung zurückbringen. Analysten sehen Figma inzwischen als Branchenstandard im Produktdesign. Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung für ein Feld, das jahrzehntelang von einem einzigen Anbieter dominiert wurde.
Die eigentliche Frage: Marken-Konsistenz
Hier wird es für uns interessant. Die spannende Frage 2026 ist nicht mehr, ob eine KI ein hübsches Bild erzeugen kann — das können inzwischen alle. Die Frage ist, ob das Ergebnis kommerziell sicher, markenkonform und skalierbar ist, ohne dass die Marke „verrutscht". Genau darauf zielen die Anbieter: Adobe Firefly mit IP-Absicherung, Canva mit einer Brand-Intelligence-Ebene, Claude Design mit automatischer Anbindung an das Designsystem.
KI kann in Sekunden ein Bild machen. Ob es zu Ihrer Marke gehört, entscheidet sie nicht. Das entscheidet das System dahinter.
KI macht schnell — aber nicht automatisch markentreu
Das ist der Punkt, an dem viele Unternehmen stolpern. Sie führen ein KI-Tool ein, produzieren auf einmal das Zehnfache an Material — und nach drei Monaten sieht die Marke aus wie ein Flickenteppich. Mal stimmt die Farbe nicht, mal der Ton, mal die Typografie. Tempo ohne System führt nicht zu mehr Marke, sondern zu mehr Beliebigkeit.
Wie wir das sehen
Für uns ändert sich durch diese Tools nichts am Grundsatz — im Gegenteil, sie machen ihn dringlicher. Eine Marke ist kein Logo und keine Sammlung schöner Bilder, sondern ein System aus Regeln, Tonalität und Wiedererkennung. Genau dieses System ist es, das entscheidet, ob KI-Output die Marke stärkt oder verwässert. Wir haben das ausführlich beschrieben: Marken brauchen ein System, kein Logo.
Unser Rat: KI-Design-Tools ja — aber erst das Designsystem, dann das Tempo. Wer die Leitplanken sauber definiert hat, kann mit diesen Werkzeugen enorm schnell und trotzdem konsistent produzieren. Wer sie nur einschaltet und hofft, bekommt schnell viel — und wenig Marke. Dasselbe gilt übrigens für die Frage, ob sich echte Produktion in der KI-Ära noch lohnt: Ja, weil das Urteil, was zur Marke passt, menschlich bleibt.